Informationen und Tipps zur Vorbereitung auf das M2

Liebe Aktive,
Liebe Lokalvertretungen,
Liebe Stex-Lernende,

im Rahmen verschiedener  Gespräche sowie Veranstaltungen mit verschiedenen Playern der Gesundheitspolitik und Medizinischen Ausbildung und besonders auch dem Institut für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen (impp) und seiner Leitern Frau Professorin Jünger, konnten wir Informationen zu allgemeinen und aktuellen Entwicklungen der Staatsexamina sammeln. Diese stellen wir im Folgenden gebündelt zusammen und möchten sie euch als Tipps und zur Unterstützung eurer Examensvorbereitung, konkret bezogen auf das M2-Staatsexamen im Herbst 2019 und Frühjahr 2020 mit auf den Weg geben.

Wir haben diese Informationen nach bestem Wissen und Gewissen als Hilfestellung zusammengestellt. Bitte beachtet, es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit, keine rechtliche Sicherheit und wir können euch keine Gewähr für diese Informationen geben. 

Allgemeiner Hintergrund


Der Masterplan Medizinstudium 2020 fordert zukünftig

  • eine Kompetenzorientierung in Lehre und Prüfungen

  • eine Stärkung der Allgemeinmedizin als Fach und Inhalt und

  • die Erarbeitung neuer Lernziel- und Gegenstandskataloge (NKLM und GK)

In diesem Rahmen werden im großen NKLM/GK-Prozess sowohl der gesamte GK als Grundlage der Staatsexamina, als auch der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin (NKLM) als Basis der fakultären Lehre, grundlegend überarbeitet. Beide neuen Kataloge werden im Zuge der anstehende neue Approbationsordnung verpflichtend.

Seit Oktober 2019 werden schrittweise Veränderungen am seit 2012 aktuellen Gegenstandskatalog (GK) vorgenommen. Ende November 2019 wurde ein neuer GK vom impp veröffentlicht. Diese größeren inhaltlichen Änderungen sollen frühestens ein Jahr nach Veröffentlichung eines aktualisierten GK, also frühestens im Frühjahr 2021 erstmals geprüft werden. Hierbei sollen sinnvolle und an vielen Fakultäten, sowie von uns als bvmd geforderte Themenbereiche wie z.B. Interprofessionalität, Führung und Management, Wissenschaftskompetenz (zusätzlich zu aktuellem Stand, s.u.) und Patientensicherheit berücksichtigt werden.

Bereits erfolgte Änderungen

Auf Basis der aktuellen Approbationsordnung passt das impp seit ca. 1 1/2 Jahren progressiv und systematisch die Examina inhaltlich sowie methodisch an. Konkret werden neue Inhalte und Fragenformate eingeführt und dafür andere gekürzt oder ausgegliedert. Bereits seit dem M2 im Herbst 2018 implementiert das impp zunehmend kompetenzorientiertere Fragen, die darauf abzielen, Verständnis und Anwendung klinischer Fälle statt reinem Faktenwissen (siehe auch Key-Feature) zu prüfen. Altbekannte Faktenfragen zu Kolibri-Erkrankungen werden somit erfreulicherweise zunehmend zugunsten kompetenzorientierter und fachübergreifend relevanter Fragen ersetzt.

Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass die Examensvorbereitung durch die neuen Inhalte sowie Fragenformate von den Erfahrungen der letzten Semester abweichen wird. Neben der fakultären Lehre werden vermutlich auch Amboss und Thieme sowie weitere vergleichbare Angebote hier (noch) nicht den neuesten Stand abbilden, sodass es uns wichtig ist, euch hierüber zu informieren.
Wichtig zu wissen ist, dass alle Examina einem inhaltlichen Blueprint folgen, der von Examen zu Examen nur in kleinem Ausmaß verändert werden kann, um eine ausreichend hohe Reliabilität (Vergleichbarkeit von zwei folgenden Examen) zu gewährleisten. Veränderungen erfolgen somit schrittweise und nicht von 0 auf 100, auch wenn das impp im letzten Jahr hier deutlich progressiver als in früheren Jahren vorgeht. Mit ein wenig Vorbereitung und Kenntnis der Veränderungen kann sich auf diese gut eingestellt werden.

Wir können dennoch gut nachvollziehen, dass Bedenken gehegt werden, wenn neue Inhalte und Formate in die Examina einfließen. Daher ist uns eine transparente Entwicklung in diesem Prozess ein besonderes Anliegen.
Um situationsbedingte Nervosität und Frustration wie in vergangenen Examina zu vermeiden sind wir auf Basis gesammelter Rückmeldungen von Examenskandidat_innen aus F2019 und auch H2019 in einen konstruktiven Austausch mit dem impp getreten.
Ziel ist, dass zukünftig frühzeitig, strukturell breiter und offizieller über die jeweils neuen Veränderungen von Seiten des impp informiert wird. Nur so können die in unseren Augen sinnvollen Veränderungen hin zu einem verbesserten Staatesexamen von den Studierenden positiv aufgefasst werden. Aktuell sieht es danach aus, dass beginnend mit dem Examen im Frühjahr 2021 das Examen regulär auf einem, durch das impp veröffentlichten Fragenblueprint basieren wird, der für alle Studierenden mit genügen Vorlauf zugänglich sein soll und einen ähnlichen Rückschluss auf die Fragenverteilung erlaubt. 

Konkrete Veränderungen im M2, bereits jetzt relevant

Key-Feature-Fragen und -Fälle

Die langen, oftmals für Lösung der Fragen nicht benötigten Fälle mit bis zu 15 zugehörigen Fragen wurden komplett durch sogenannte Key-Feature-Fällen mit meist drei bis fünf direkt auf einen Patientenfall bezogenen Fragen ersetzt.

Die Key-Feature-Fragen und -Fälle zielen darauf ab, klinische Handlungskompetenz statt Faktenwissen zu überprüfen. Das “Key-Feature” ist als kritische Entscheidung oder Aktion definiert, die fallabhängig getroffen werden muss. Ausgehend von einem kurzen Patientenfall folgen drei bis fünf direkt zugehörige Fragen:
Kann ich aus den gegebenen Informationen die korrekten nächsten Schlüsse ziehen? Welche diagnostische und therapeutische Konsequenz ergeben sich aus den vorliegenden Befunden? 
Im Rahmen dieser Fragen wird häufiger als bislang nach der klinisch relevanten Positivantwort gefragt, d.h. “Was sollten Sie in dieser Situation tun” statt “Was sollten Sie nicht tun”. Letztere Form der “Negativ”-Fragen wird eingeschränkt, aber weiterhin bei vermeidbaren häufigen klinischen Fehlern, z.B. der Nicht-Beachtung von “Red Flags” verwandt. Beispielfrage: EBV-Symptomatik, was sollten Sie nicht verschreiben → Amoxicillin.

Hintergrund ist, dass die so überprüfbare klinische Entscheidungsfindung in Schlüsselsituationen für zukünftige Ärzt_innen deutlich praxisrelevanter ist, als allgemeine Fakten, da es im medizinischen Behandlungskontext in der Problemlösung vor allem darum geht, in einem stark fall- und somit patientenabhängigen und kontextspezifischen Setting richtig zu entscheiden.

Zur Vorbereitung ist wichtig zu wissen, dass in einigen dieser Kurzfälle Folgefehler möglich sind, da bspw. die korrekte Diagnose nicht nach der dazugehörigen Frage verraten wird (auf Papierform nicht möglich), aber noch weitere Fragen zu Prävention/Therapie/Management etc. folgen können.
Durch das breitere Fragenkollektiv (= mehr verschiedene Fälle und somit Themen bzw. Krankheitsbilder in einem Examen) und einer folglich höheren Reliabilität, als mit den wenigen langen Fällen, fallen diese Folgefehler allerdings in Relation zur durchschnittlichen Leistung kaum negativ ins Gewicht.

Im vergangenen Examen in F2019 haben die Studierenden bei den Key Feature und Einzelfragen beinahe identisch abgeschnitten.

Stärkung der Allgemeinmedizin

Im Examen H2019 wurden 99 Fragen zu allgemeinmedizinischen Beratungsanlässen gestellt. Im  H2018 waren es noch 23. Wichtig ist jedoch zu beachten, dass die Zuordnung einer Frage zu einem “Fach” sehr inhomogen und subjektiv ist und die Zuordnung bei Amboss und Thieme teils stark von der Zuordnung durch das impp abweichen kann. Zudem sind Mehrfachzuordnungen einer Frage häufig möglich: so kann Asthma genauso gut bei “Innere” wie bei “Allgemeinmedizin” oder “Pädiatrie” angesiedelt werden.

Einfach ausgedrückt umfassen allgemeinmedizinische Beratungsanlässe alles, was im Rahmen einer Vorstellung beim  Hausarzt häufig auftritt.
Fragentexte hierzu beginnen oftmals z.B. mit “Ein Patient stellt sich mit Husten in Ihrer Allgemeinarztpraxis vor”. Dieser habe sich vor einer Woche entwickelt und äußere sich mit …. (Weitere Patienteninfos, KU-Ergebnisse etc.).
Eine mögliche Frage hierzu wäre nun: (Die Diagnose wird im Falltext nicht benannt, sondern muss aus den Informationen gestellt werden) “Welche weitere Diagnostik ist nötig?” Antwortmöglichkeiten könnten nun diagnostische Prozedere bei Pneumonie, Bronchitis, viraler Atemwegsinfekt sein. So muss aus der Fallinformation die korrekte Diagnose erfasst und anschließend die entsprechende Diagnostik abgeleitet werden.
Auch diese Frage würde die oben vielfach benannte stärkere Kompetenzorientierung widerspiegeln, da der Fall zunächst interpretiert und dann entsprechend Wissen darauf angewandt werden muss. Eine Fallbeschreibung analog zu den nicht mehr genutzten langen Fällen, in der bereits die Diagnose “Pneumonie” benannt worden wäre, und einfach die medikamentöse Erstlinientherapie gesucht worden wäre, ist demgegenüber eine klassische “Wissensfrage”.

Falls diese Fallvignette als Key Feature-Fall entwickelt ist, schließen sich weitere mögliche direkt auf den Fall, oder auch die Antwort der vorherigen Frage bezogene Fragen an:
“Welche medikamentöse Behandlung sollte am ehesten erfolgen?”
“Was kann der Patient zuhause selbstständig unternehmen, um seine Symptome zu lindern?”


Erweiterung der Inhalte

Seit letztem Jahr werden so regelhaft Fragen zur Wissenschaftskompetenz gestellt: Bisher beinhalteten diese hauptsächlich Rechenaufgaben, die inzwischen vermehrt Richtung evidenzbasierter Medizin, Studieninterpretation o.ä. weiterentwickelt werden. Auch einzelne Fragen zu Interprofessionellen Kompetenzen wurden in das letzte Examen mit aufgenommen.

Tipps für eure Examensvorbereitung

  • Kreuze frühzeitig und ggf. mehrfach die Examina H2018, F2019 und H2019, um dich mit den Veränderungen vertraut zu machen und nicht bei der Generalprobe wenige Tage vor dem Examen “überrascht” zu werden. Diese beiden sind die einzigen Examina, in denen die erläuterten Veränderungen bereits in Teilen oder umfassend enthalten sind.

  • Mach dich mit Key-Feature-Fragen vertraut und binde das leitsymptom- und problemorientierte fallabhängige, klinische Denken “was ist zu tun, wenn” beim Lernen aktiv mit ein.

  • Leg einen stärkeren Fokus auf die allgemeinmedizinischen Beratungsanlässe als Amboss, Thieme oder ähnliche Angebote es vorsehen. Erinnere dich an deine Famulatur beim Hausarzt - was für Patienten hast du dort gesehen? Mit welchen Symptome gehst du selbst zum Hausarzt oder schickst deine Verwandten zu einem? Übersichten zum Prozedere bei Thoraxschmerz, Rückenschmerz, unklarem Abdomen u.v.w. könnten hier hilfreich sein.

  • Übe die Inhalte rund um das Thema Wissenschaftskompetenz. Schau dir bisherige Fragen hierzu an und frisch auf dieser Basis die Inhalte aus Epidemiologie und Biometrie auf.

Am wichtigsten ist: Hab keine zu großen Bedenken wegen der Neuerungen! Beispielsweise wurden die Key-Feature-Fälle nach dem Examen F2019 subjektiv deutlich schlechter bewertet, als sie am Ende objektiv ausgewertet wurden. Auch die Durchfallquoten blieben sehr gering. Sei dir der Neuerungen bewusst, stell dich auf sie ein und lass dich dadurch im Examen nicht aus der Ruhe bringen!

Ansonsten sollen diese Punkte eine Hilfestellung sein, für die jeder individuell entscheiden muss, wie er sie für sich nutzen und in seine Examensvorbereitung einbinden möchte.
Sollten sich kurzfristig noch weitere relevante Informationen zum anstehenden Examen ergeben, halten wir euch hier auf unserer Website und via Facebook auf dem Laufenden:

Für alle, die ihr Examen erst H2020 oder später schreiben: Die beschriebenen stufenweise weitere Veränderungen werden auch in den kommenden Examina integriert werden, sodass diese allgemeinen Informationen auch weiterhin gelten und falls nötig von uns angepasst werden. Die Veröffentlichung der Fragenverteilung für das Examen H2020 wird uns mit aktuellem Informationsstand voraussichtlich nicht möglich sein. Ab F2021 gilt dann der offizielle Fragenblueprint (s.o.).

Wir hoffen, dass diese Informationen für euch verständlich und hilfreich sind, und wünschen euch allen viel Erfolg, Ruhe und Gelassenheit!