Spring Assembly 2019 in Heidelberg

Wir freuen uns sehr, dass die EMSA Spring Assembly 2019 vom 24. bis 29. April im wunderschönen Heidelberg stattfinden wird. 

Das Organisationskommitee arbeitet bereits und ist über die folgende Email-Adresse erreichbar: sa19@fsmed-hd.de

Außerdem stehen die Bundeskoordinatoren für Europäische Integration unter noei@bvmd.de gerne für Fragen zur Verfügung.

Das Thema: Medical Mobility and Migration

In der heutigen Zeit der Globalisierung und offenen Grenzen findet sich auch unter uns Medizinern eine wachsende Flexibilität in der Ortswahl - auch über Ländergrenzen hinweg. Unterschiedliche Einkommensverhältnisse, Arbeits- und Lebensbedingungen stellen Gründe dar, seine Heimat als Arzt zu verlassen und in einem anderen Land tätig zu werden. 
Der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union sichert den in der EU lebenden Menschen Freizügigkeit im Personen- und Dienstleistungsverkehr zu. Die EU Richtlinie 2005/36/EC fordert die Mitgliedstaaten dazu auf, die Anerkennung von Berufsabschlüssen zu vereinfachen, damit die zugesicherte Freizügigkeit tatsächlich in Anspruch genommen werden kann.

Wir als Medizinstudierende haben uns sowohl auf deutscher als auch auf europäischer Ebene zu dieser Richtlinie positioniert. Die EMSA fordert in ihrem Positionspapier “Recognition of Medical Professional Qualifications” - neben einer konsequenten Umsetzung der Richtlinie auf Ebene der EU-Mitgliedsstaaten - ein Monitoringsystem zu etablieren, das verlässliche Daten als Grundlage für weitere politische Entscheidungen liefert. Die bvmd befürwortete die Richtlinie bereits 2012 in einer Stellungnahme.

Durch die Einführung der Blue Card EU für Drittstaatsangehörige nach §19a AufenthG sowie das Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen hat sich die Situation innerhalb Deutschlands bereits verbessert.
Aus der Website http://www.medicalmobility.eu, zur Verfügung gestellt durch die European Junior Doctors (EJD) und die EMSA, geht hervor, dass die Anerkennung ausländischer Abschlüsse immer noch kompliziert ist. In Deutschland hat beispielsweise jedes Bundesland andere Anforderungen hinsichtlich der Sprachkenntnisse. Auch fehlt eine zentrale Anlaufstelle für Bewerberinnen und Bewerber.

Die Bewegungen von medizinischem Personal innerhalb der EU werden derzeit noch nicht kontinuierlich erfasst. Es existieren zwar Studien, die die entsprechenden Daten zusammentragen, aber in der Regeln nur bestimmte Zeiträume erfassen.  EU weit erfassten zum Beispiel die MoHP study und PROMeTHEUS entsprechende Daten für die Zeiträume bis 2011 bzw 2012 und stellen besonders eine Abwanderung aus der EU nach Amerika und Australien, sowie Wanderungen von Afrika, Asien und Osteuropa nach West- und Nordeuropa fest.

Der demographische Wandel kann nicht allein durch vermehrte Ausbildung von Fachkräften aufgefangen werden. Eine zuwanderungsfreundliche Politik in Deutschland ist deshalb eines von mehreren Mitteln zur Deckung des Bedarfs an medizinischem Personal. Als beliebtes Einwanderungsland kann Deutschland von einer westwärts gerichteten Migration profitieren (siehe Anteil ausländischer Ärzte, Deutschland steht auf Rang 4 der beliebtesten Einwanderungsländer für migrationsinteressierte Fachkräfte Quelle BAMF).
Allerdings wirkt sich die Abwanderung von medizinischem Personal negativ auf die Versorgungslage in den jeweiligen Herkunftsländern aus. Vielfach fällt in diesem Zusammenhang deshalb der Begriff des “Brain Drain” bzw. speziell der „Medical Brain Drain Rate“. Viele der nach Deutschland zugewanderten Pflegekräfte kommen u.a. aus Polen, der ehemalige Sowjetunion und dem ehemaliges Jugoslawien. In diesen Ländern stellt sich die Frage, wie die entstandene Personallücke geschlossen werden soll. Mit Blick auf die tragende Rolle, die die Bundesrepublik innerhalb der EU spielt, ist daher klar, dass eine rein national ausgerichtete Migrationspolitik nicht in Frage kommt.

Als angehende Ärztinnen und Ärzte liegt uns dieses Thema am Herzen: Es beeinflusst entscheidend das Arbeitsumfeld, in welchem wir tätig sein werden. Zudem sind wir alle damit aufgewachsen, uns frei innerhalb der EU zu bewegen. Wir möchten es als Selbstverständlichkeit sehen, diese Freizügigkeit nicht nur privat, sondern auch beruflich ohne Nachteile nutzen zu können.

Wie kann man also Migration, insbesondere in der EU, nachhaltig gestalten, sodass die Ankunfts- und Herkunftsländer, aber auch die Migrierenden selbst davon profitieren? Wie kann dabei die qualitative Versorgung von Patientinnen und Patienten gewahrt werden? Welche gesetzlichen Grundlagen gibt es bereits, welche müssen noch geschaffen werden? Und vor allem: Wie können wir als Medizinstudierende darauf Einfluss nehmen?

Mit diesen Fragen möchten wir uns in einer Podiumsdiskussion sowie in Workshops und Seminaren befassen.
 

Hintergründe

Das Positionspapier der EMSA zum Thema:
Recognition of Medical Professional Qualifications