21. Humanitarian Congress Berlin

“We should be treating the patients, not their diseases”

Am 17.10. und 18.10. haben wir am Humanitarian Congress 2019 in Berlin teilgenommen. Dieser wurde perfekt in Kontext gesetzt durch das studentische Rahmenprogramm des Projekts Katastrophenmedizin der bvmd. 

Der Humanitarian Congress wird jährlich durch Ärzte ohne Grenzen (MSF), Ärzte der Welt das Deutsche Rote Kreuz und die Ärztekammer Berlin organisiert. Das diesjährige Thema “A Perfect Storm - Humanitarian Impacts of Climate Change” und die Kooperation mit Greenpeace legten den Fokus auf die Bedeutung des Klimawandels im Hinblick auf Humanitäre Hilfe. Es ging dabei einerseits um die Frage, auf was für Veränderungen sich die Hilfsorganisationen im Rahmen des Klimawandels einstellen müssen. Andererseits ging es aber auch um die Verantwortung der Organisationen an nachhaltigem Handeln. Wie kann man die Emissionen durch viele Langstreckenflüge reduzieren? Wie kann man den anfallenden Plastikmüll in der humanitären Hilfe reduzieren und sicherstellen, dass Müll gesammelt wird und nicht in die Umwelt gelangt? Inwieweit sind Hilfsorganisationen verantwortlich für das Verhalten der Unternehmen, mit denen sie zusammenarbeiten oder von denen sie Ressourcen beziehen?

Neben diesem Hauptthema gab es aber auch viele Panels zu anderen relevanten Themen wie zum Beispiel die aktuelle Situation mit Ebola, AMR (Antimicrobial Resistance), Migration, die humanitäre Lage in Syrien und vieles mehr.

Dabei ist uns sehr positiv aufgefallen, dass viele der SprecherInnen aus den betroffenen Ländern kamen und damit eine sehr realistische Einschätzung der Situation geben und viel persönliche Erfahrung beisteuern konnten. Um nur ein paar Beispiele zu nennen:
-Phyllis Omido, die sich für den Umweltschutz in ihrer Gemeinde in Kenia einsetzt, seitdem ihr Sohn fast an einer Bleivergiftung gestorben wäre. Sie wurde unzählige Male dafür bedroht und musste sogar einige Zeit ins Gefängnis. Sie hat ein Buch über ihr Leben geschrieben, “Mit der Wut einer Mutter”, in der ihr ihre Geschichte nachlesen könnt. 

-Zoé Kyavaghendi, die im Norden der Demokratischen Republik Kongo in einem Ebola Center arbeitet und von der Gegenwehr der Bevölkerung dort erzählt, die dem plötzlichen Interesse westlicher Institutionen mit Misstrauen begegnen, vor allem da die Situation politisch genutzt wurde, um zum Beispiel dieser von Ebola besonders betroffenen Region die Teilnahme an der letzten Präsidentschaftswahl zu verbieten. Ihr Input hat sehr klar gemacht, warum humanitäres Handeln auf die Situation im Zielland angepasst sein muss und es keine Pauschallösungen geben kann.

-Rita … ist in Syrien geboren und musste aufgrund des Konfliktes ihr Heimatland verlassen. Nun hat sie ein Projekt gegründet, in dem Gesundheitspersonal aus Syrien ihre Geschichten erzählen können. Auf www.healthworkersatthefrontline.org könnt ihr euch die Geschichten ansehen/anhören.

Wenn man sich klar macht, dass 80-90% der humanitären Hilfe von Locals geleistet werden, dann war die Auswahl der SprecherInnen sehr gelungen, um das Verhältnis vor Ort abzubilden.

Dazu gab es außerdem Input von Carola Rackete, die in diesem Juni in Italien für Menschenschmuggel angeklagt wurde. Sehr motivierend waren auch die Worte von Claudia Roth, Vizepräsidentin des Bundestages, die alle Anwesenden dazu aufgerufen hat mehr Druck auf die Politik auszuüben, um stärkere Maßnahmen gegen den Klimawandel einzufordern.

Das studentische Rahmenprogramm ging schon am Mittwoch Abend los und startete, passend zum Thema des Kongresses, mit einer Einführung zu “Planetary Health” durch Sabine Baunach von der KLUG (Deutsche Allianz für Klimawandel und Gesundheit). Außerdem stellten zwei Studierende aus Ruanda das Projekt “Ruanda Community Project” vor, wodurch uns allen erneut bewusst geworden ist, dass Hilfe zur Selbsthilfe ein wichtiger Ansatz in Humanitärer Hilfe ist. Oder wie es unsere Freunde formuliert haben, nachdem sie ihr “goat rearing” Programm vorgestellt haben: “they (die Landbevölkerung in Ruanda, Anm. d. Verf.)  have the knowledge to nurture the goats, they just don’t have the animals”.

Auch der Samstag war ganz dem studentisch organisierten Rahmenprogramm gewidmet, bei dem wir als AG Public Health einen Workshop in Form einer “mass media conference” zum Thema Klimawandel und Gesundheit gegeben haben. Dabei haben die Teilnehmenden die verschiedenen Facetten dieser Thematik beleuchten können. Außerdem gab es Input von zwei Ärztinnen zur Arbeit in der Seenotrettung, einen Workshop zu Triage und unsere Kollegin Batule von der AG Medizin und Menschenrechte erarbeitete mit uns etwas zu social movements.

Wir haben in diesen vier Tagen unglaublich viel gelernt, viele inspirierende Menschen kennen gelernt und viel Motivation für uns mitgenommen. 

Wenn wir nun euer Interesse am Bereich Humanitäre Hilfe, Katastrophenmedizin oder dem Zusammenhang von Klimawandel und Gesundheit geweckt haben, dann könnt ihr in der bvmd viele Projektgruppen finden, die sich mit ebendiesen Themen beschäftigen. Und im nächsten Jahr wird der HCB erneut in Berlin stattfinden, markiert euch den Oktober schon mal im Kalender!

Meldet euch bei Fragen gerne entweder bei uns (npo@bvmd.de) oder dem Projekt Katastrophenmedizin (katastrophenmedizin@bvmd.de)!

Teilnehmende der "mass media conference" zu Klimawandel und Gesundheit, die wir für das studentische Rahmenprogramm organisiert haben
Carola Rackete über ihr Engagement in der Seenotrettung