IFMSA August Meeting

General Assembly August 2016

Bericht von Ayman Mohssen
Bundeskoordinator für Public Health 2016/17

Meine besuchten Sessions: SCOPH-Sessions

Die Sessions der einzelnen Standing Commitees (übersetzt Ständige Arbeitsgruppen) der IFMSA stellen für die BundeskoordinatorInnen eines der Highlights einer GA dar. Denn hier trifft man Gleichgesinnte, Medizinstudierende aus aller Welt die sich entschieden haben die AG Public Health in ihrem Land zu koordinieren und voranzubringen. Wo sonst lassen sich also neue Anreize und Ansätze, fachmännische Reflektionen über die eigene Arbeit und zukünftige ArbeitspartnerInnen finden als hier? 

Für uns – die AG Public Health findet sich auf der internationalen Ebene eine weitere Besonderheit. Da wir sowohl inhaltlich, als auch koordinativ tätig sind und unsere Arbeit sich die öffentliche Gesundheit unserer Länder zum Fokus nimmt, findet sich eine große Breite an Themen und ganz verschiedene Probleme mit denen wir umgehen müssen und die wir an die breite Öffentlichkeit bringen wollen. Der ehemalige amerikanische Präsident der USA, Bill Clinton, sagte beispielsweise einst: „It´s the biggest public health problem in America, the rising rates of obestiy amoung our young people and very heavy statistics amoung our adult population”. Während für die USA also Übergewicht regelrecht eine öffentliche Bedrohung darstellt, ist in Ägypten Hepatitis C stark verbreitet, Swasiland hat die höchsten HIV Raten weltweit und die Public-Health-Entwicklung in Deutschland, das Land, welches einst ein vorbildlich funktionierendes Gesundheitswesen hatte, wurde stark durch die nationalsozialistische Rassenhygiene geschwächt. 

Die SCOPH Sessions waren inhaltlich sehr vielseitig gestaltet. Um euch einen Überblick zu verschaffen, werde ich auf die Inhalte einzeln eingehen und hier das wichtigste und interessanteste darstellen. Vor allem Outcome orientiert wollen wir den Mehrwert der gestalteten Sessions herausarbeiten: 

1. Tag 2 – Das „neue Ding“ der IFMSA

Erst vor kurzem beschloss die IFMSA die Etablierung von Programmen. Die IFMSA Satzung besagt: “An IFMSA Program is a stream of NMOs’ activities coordinated centrally and addressing a pre-defined theme. It underpins the vision and mission of the IFMSA.“ Auch wenn sich der Sinn hinter den IFMSA Programmen nicht wirklich jedem erschließt und an der Umsetzbarkeit gezweifelt wird, ist die Grundidee dahinter, Nationale Mitgliedsorganisationen (NMOs), die an ähnlichen Projekten und Themen arbeiten eine zentrale Anlaufstelle zu bieten, wo sie sich über die ähnliche Aktivität der anderen NMOs informieren können oder zur Initiierung einer neuen Idee sich Rat von den Programm Koordinatoren holen, sicherlich keine schlechte. Diese Programme sind ex officio meistens Public Health Themen assoziiert. 

In der Session ging es spezifisch um die folgenden IFMSA Programme: Healthy Cities, Mental Health of Health Professionals, Emerging Infectious diseases, Organ, Marrow and Tissue Donation, Global Surgery and Tobacco Abuse. In kleinen Gruppen boten die Programm KoordinatorInnen Einblicke in die Inhalte ihrer Arbeit. 

In meiner Gruppe sollten wir uns beispielsweise eine Stadt aussuchen, in der eineR der Gruppenteilnehmenden studiert und sie bezüglich der Faktoren einer „gesunde Stadt“ untersuchen. Damit sind u.a. Müllabfuhr, Luftverschmutzung, Bepflanzung, Wasserverschmutzung, Einwohnerdichte, Krankenhausdichte, Ausstattung mit Fußgänger- oder Radwegen, Lichtverschmutzung etc. gemeint. Bei uns ging es um Beirut, das „Paris des Nahen Ostens“ im Libanon. Bei der Vorstellung der  anderen Gruppen gingen wir weiterhin u.a. auf Ankara und Hong Kong ein. 

Bei der Vorstellung und den anschließenden Fragen machte sich besonders bemerkbar, wie unterschiedlich die Vorstellungen von klein oder groß bezüglich der Stadtgröße, dicht oder leicht besiedelt, sauber oder dreckig, kriminell oder sicher (beispielsweise erzählte einer aus Südafrika, wie er schon des Öfteren Opfer einer Entführung und Autodiebstählen war und zwar so, als sei es die absolute Normalität) der Teilenehmenden ist. Für mich eine weitere Besonderheit einer GA. Denn für jedes Land ist „normal“ wohl was vollkommen anderes.

 

2. Tag 3 – Einführung Global Health und Simulationsspiel Global Diplomacy

Eine sehr aufschlussreiche und illustrativ gestaltete Session überlegte sich der SCOPH Director und legte den Anwesenden die Grundsätze von Global Health dar. Die Anwesenheit von Studierenden aus Nationen aller Kontinente zeigte unterschiedliche Sichtweisen auf das Zusammenspiel der globalen Politik, Wirtschaft und ihre Folgen auf das  Gesundheitswesen der verschiedenen Länder. Wem nützt die Globalisierung wirklich? Wie kamen Unterversorgung und Mangelzustände auf der einen Seite und Übermaß auf der anderen im Laufe der Zeit zustande? Zuletzt wurde dann die Zukunft von Public Health diskutiert. Dabei kam vor allem zum Vorschein, wie die Gesundheit der Menschen maßgeblich von Wirtschaft und Politik abhängen.

Im zweiten Teil der Session fand ein Simulationsspiel zum Thema Global Diplomacy statt, welches den Teilnehmenden sehr viel Freude bereitet hat. Alle Anwesenden wurden auf 4 Länder (Land A bis Land D) aufgeteilt und erhielten Folgendes: 

a. Informationen über ihr Land zu folgenden Public Health Aspekten:

-     1: Medikamentenresistenzen und Stand der Arzneimittelforschung.

-         2: Klimatische Bedingungen und Häufigkeit, Schwere und Relevanz von schweren Naturereignissen und -katastrophen. 

-         3: Verbreitung von NCDs, besonders Übergewicht, Hypertonus und Diabetes. 

-         4: Ausbildungsmöglichkeiten und Wanderungssaldo der im Gesundheitssektor tätigen Arbeiter (Ärzteschaft, Pflegekräfte, etc.) 

-         5: Stand der Forschung von STIs, Mutter-Kind-Infektionen, gleichberechtigte Gesellschaft und Umsetzung von LGBTQIs Gesetzen. 

 

b.    Investitions- und Interventionsmöglichkeiten inkl. der dafür aufzuwendenden Kosten. Hier wurde angeboten entweder à die Probleme eines Public Health Bereiches vollkommen zu beheben (das kostete zwischen 15 und 20 Einheiten) oder à einzelne Maßnahmen zu realisieren (das kostete zwischen 1 und 5 Einheiten): Diese waren von vermehrten Investitionen in die Arzneimittelforschung über Umstieg auf Elektroautos, Verbot von Fastfood Ketten, Einfuhr der Zuckersteuer bis hin zu Unterstützung und Bau von weiteren medizinischen Fakultäten zur besseren Ausbildung der Ärzteschaft. 

c.    Das BIP des jeweiligen Landes und Summe an Geld, welches nur als Spende ausgegeben werden kann. Zum Beispiel war Land A mit 60 Einheiten und 8 Spende-Einheiten das reichste.

 

Nun war es also Aufgabe der Teilnehmenden in einem definierten Zeitrahmen für das Spiel, sich zunächst mit den Ressourcen und Schwächen des eigenen Landes auseinander zu setzen. Dann einigte man sich darauf in welchen Bereichen man selbst in das eigene Land investieren will, um die relevantesten Public Health Missstände des eigenen Landes zu beheben. Doch da kein Land reich genug war um alle Probleme selbst beheben zu können, gingen die Teilnehmenden auf Kontaktsuche zu den anderen Ländern auf. 

Eines machte das Spiel noch interessanter: Für die Firmen McDonald‘s und Esso und für die WHO gingen VertreterInnen rum um mit Geldinvestitionen ihre Interessen zu bewahren. Beispielsweise bot McDonald’s einem Land an, in die Arzneimittelforschung zu investieren wenn es die Maßnahme „Fastfood Verbot“ nicht realisiere.       

Am Ende galt es nun zu bewerten, ob die vorgenommenen Verhandlungen erfolgreich waren, auf welche „Deals“ die Länder eingingen um die Situation der öffentlichen Gesundheit ihres Landes zu verbessern und welche Probleme auftraten. Gab es Unterschiede zwischen den „reichen“ und den „armen“ Nationen? Hatten sie verschiedene Schwerpunkte gesetzt?

 

Tag 4 – Der Tag der Debatten

Viele Posten des sog. Team of Officials (das IFMSA Pendant zum erweiterten Vorstand der bvmd) sind „verwandt“ zur AG Public Health. Diese Posten sind die Liaison Officers (halten den Kontakt zu externen Partnern, übersetzt wäre das mehr oder weniger „Kontaktpersonen“) für die WHO (LOWHO), für Public Health (LPH) und für andere studentische Organisationen (LOSO) und den Posten des SCOPHDirektors (SCOPH-D).

Für das Amt des SCOPH-D bewarb sich die ehemalige Regional Assistant for Europe Eleonora Frau aus der Schweiz. Nach dem sie sich den Anwesenden vorstellte, ihre Ziele für das Amtsjahr präsentierte, wurde die Fragerunde eröffnet und man durfte sowohl anonym, als auch publik Fragen stellen. Spätestens dann merkte man, dass das spannendste an der Veranstaltung der Straßenhund war, der zwischenzeitlich im Zelt seine

Runde drehte.                                           

Oberflächliche Antworten folgten auf oberflächliche Fragen und als es um den LOWHO Posten ging, wurde der Hund nun ganz offiziell zum Mittelpunkt des Geschehens. Wie dem auch sei, habe ich die Frage gestellt für wie wichtig die SCOPH-D Bewerberin es einschätzt auf eine besondere Wortwahl zu achten, wenn es mal wieder um „arme“ und „reiche“ Nationen oder „entwickelte Länder“ und „Entwicklungsländer“ geht. 

Das Amt des Liaison Officers für die WHO (LOWHO) wurde von unserer Delegation sehr kritisch beäugt.

Leider ist das Amt stark von Missbrauch für den Eigenzweck gekennzeichnet. Es werden persönliche Kontakte zur WHO geknüpft, nicht ganz neutral bestimmt wer aus den Studierenden mitfahren darf und für die IFMSA hat es den Mehrwert von 0%. 

 

Tag 5 – Zum Ende was inhaltlich wertvolles Healthy Ageing

Zum Schluss fand dann eine sehr spannende Session statt. Themenschwerpunkt war die Relevanz der curriculare Eingliederung von Healthy Ageing. Auch hier fand ein interaktives Spiel statt, bei dem eine Gruppe die Rolle von Studierenden einnahm, die sich für die curriculare Eingliederung aussprachen und hierfür Argumente finden sollten und eine Gruppe, die das Dezernat spielten und Argumente gegen eine Eingliederung herausarbeiten sollten. 

Natürlich waren die Punkte für eine Eingliederung weit ausgereifter, generell sind Argumente für eine Themenauseinandersetzung der Studierenden beinahe immer einfach zu finden. Doch leider stehen hier meistens wirtschaftliche Probleme der universitären Einrichtungen im Weg. 

Die IFMSA hat bereits 2014 in Taiwan das Positionspapier „Active Ageing and Life-Course“ verabschiedet, welches 2017 ausläuft. Das bedeutet, dass eine Überarbeitung bald stattfinden wird. Die zukünftige SCOPH-D Eleonora hat hierfür eine Small Working Group (SWG) vorgeschlagen, für die ich mich gemeldet habe. Aufgabe wird es sein, die neu in der Session herausgearbeiteten Punkte hinzuzufügen.